Wie kommt ein katholischer Priester auf das Thema Organspende?

„Derzeit das Beste, was die Medizin schwerkranken Menschen anbieten kann“

Pallottiner-Pater Klaus Schäfer verfasste mehrere Bücher zum Thema Organspende und rief die Plattform www.organspende-wiki.de ins Leben.
Pallottiner-Pater Klaus Schäfer verfasste mehrere Bücher zum Thema Organspende und rief die Plattform www.organspende-wiki.de ins Leben.

Mein Name ist Klaus Schäfer. Ich bin Pallottiner-Pater (katholische Gemeinschaft), war von 1999 bis 2014 als Klinikseelsorger in Karlsruhe tätig und habe u. a. mehrere Bücher zum Thema „Hirntod“ und „Organtransplantation“ (siehe www.organspende-wiki.de) veröffentlicht.

Für viele Menschen ist es unverständlich, dass ich mich derart für das Thema Organspende engagiere. Oft werde ich gefragt, ob ich ein Transplantierter sei oder bei Eurotransplant auf der Warteliste stehe. Beides kann ich verneinen. Bei der nächsten Frage wird davon ausgegangen, dass jemand in meinem Bekanntenkreis zu diesem Personenkreis gehört. Auch dies traf am Anfang meines Engagements für Organspende nicht zu.

Zwei Erlebnisse haben mein Interesse an diesem Thema geweckt:

  1. Eine ehemalige Pflegekraft der Intensivstation, auf der ich als Klinikseelsorger arbeitete, versuchte mir klar zu machen, dass Organspender durch die Organentnahme getötet werden. Ihre Argumente konnte ich zwar nicht nachvollziehen, verstand damals aber auch den Hirntod noch nicht. Somit machte ich mich über das Thema kundig und verschaffte mir dadurch ein eigenes Bild.
  2. Ebenfalls zu meiner Zeit als Klinikseelsorger starb eine Frau, noch keine 50 Jahre alt, künstlich beatmet auf der Intensivstation. Unverschuldet brauchte sie eine Spenderlunge. Hierfür stand sie über 6 Monate bei Eurotransplant auf der Warteliste. Das rettende Organ kam nicht. Sie hinterließ einen Mann und drei Kinder. Ihr Leben hätte mit einer rechtzeitig gespendeten Lunge gerettet werden können.

Im Rahmen meiner Recherchen wurde mir klar, wie viele Halb- und Unwahrheiten über Hirntod und Organtransplantation im Umlauf sind. Daher setze ich mich für eine sachlich korrekte Aufklärung zum Thema „Organspende“ ein. Dies geschieht nicht nur über Bücher (z.B. „Mein Bekenntnis zur Organspende“), sondern auch über die im Januar 2014 gestartete Internetplattform www.organspende-wiki.de. Alle Menschen sollen freien Zugang zu korrekten Informationen haben. Diese Aufklärungs-Seite werde ich erst einstellen, wenn die Medizin echte Alternativen für die Organtransplantation besitzt. Das ist nach meinem Kenntnisstand in den nächsten zehn Jahren nicht zu erwarten. Die Kranken, die man mit einem gespendeten Organ vor dem drohenden Tod retten kann, leben und hoffen heute. Wir können sie nicht auf eine Zukunft vertrösten, die in Jahrzehnten kommt und in der vielleicht Organtransplantationen der Vergangenheit angehören.

Organtransplantation ist derzeit das Beste, was die Medizin schwerkranken Menschen anbieten kann. Daher ist auch für die nächsten Jahrzehnte Organspende so wichtig: Mein Grund, mich weiterhin für die sachliche, korrekte Aufklärung zu diesem Thema einzusetzen, denn jeder Organspender ist ein Lebensretter. Er bewahrt im Durchschnitt 3,3 Menschen vor dem Tod.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *