Dankbar sein und Gedanken machen

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Die Nierentransplantation von H. Berten

Nach einer erfolgreichen Nierentransplantation im Jahr 2013 fing ich an, mir Gedanken zu machen: Warum hatte ich bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich selber ein fremdes Organ benötigte, nie über das Thema Organspende nachgedacht?

Beim Blutspenden war ich als junger Mann sofort dabei. Bluttransfusionen sind nach schweren Unfällen ja keine Seltenheit. Und tatsächlich: Nach langen Jahren benötigte ich selbst erhebliche Blutmengen zum Überleben. Eine Organspende jedoch war für mich, wie vermutlich für viele Mitmenschen, so unwirklich und weit weg, dass ich mir niemals ernsthaft Gedanken darüber gemacht hatte. Dann kam bei mir der Tag, an dem meine beiden Nieren versagten und ich dreimal wöchentlich jeweils vier Stunden an die Dialyse musste. Die Hoffnung auf eine menschliche Organspende wurde für mich plötzlich brandaktuell und alle Bücher, die ich bekommen konnte, habe ich mir beschafft und studiert.

Ein sehr interessantes, informatives Gespräch in der Uni-Klinik Düsseldorf, bei dem ich auf alle meine Fragen zur Transplantation eine ausführliche Erklärung erhielt, hat mich auf alles Folgende eingestimmt. Man fragte, ob ich bereit sei, eine Niere von einem älteren Menschen zu akzeptieren. Dies würde bei meinen 68 Jahren die Wartezeit jedenfalls sehr verringern.

Alle Tests, Untersuchungen und Vorbereitungen die nötig waren, habe ich dann vornehmen lassen und bestanden. Nun kam ich auf die lange Warteliste und hoffte auf eine Spende. Es war nur noch die Frage, wie lange es wohl dauern würde, bis ein passendes Spenderorgan gefunden ist. Als dann nach etwa 18 Monaten völlig überraschend der ersehnte Anruf in der Nacht kam, wurde mir schlagartig eines bewusst: Da starb ein Mensch, der nicht nur an sich selbst, sondern auch noch an seine Mitmenschen gedacht hatte.

Meine Gedanken drehten sich nun nur noch darum, wieso ich bisher selber nie auf die Idee gekommen war, meinen Körper nach meinem Tode für Organentnahmen freizugeben. Das hat mich sehr beschäftigt, ich brauchte einige Wochen, um damit klarzukommen und die Niere als meine eigene anzunehmen. Ich erfuhr dann, dass es eine Frau von 83 Jahren war, die so vorausschauend gehandelt hatte. Meine Dankbarkeit war unendlich groß und ich wollte ihrem guten Beispiel folgen. Umgehend habe ich mir einen Spenderausweis angeschafft, den ich nun immer bei mir trage. Mit einer gesunden Niere kann ich zwar nicht mehr helfen, doch es gibt noch viele andere Körperteile, die hoffentlich für eine Spende geeignet sind.

Heute bin ich der Meinung, dass alle Ärzte in eine allgemeine Spenden-Aufklärung eingebunden werden sollten – und wenn sie auch nur ab und an einen Flyer verteilen oder ihre Patienten bei der Behandlung einer Grippe darauf ansprechen, dass es gar nicht so unmöglich ist, irgendwann einmal auf eine Organspende angewiesen zu sein. Als Vertrauenspersonen sind die Ärzte eher in der Lage, ein klärendes Gespräch mit ihren Patienten zu führen und etwas zu bewirken.

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